Samstag, 16. Januar 2016

Ist selber nähen zwangsläufig nachhaltig – öko – fair

Kommentare:
 

Ich beschäftige mich ja schon lange mit Mode und Nähen. Ich habe sehr viel genäht und legte großen Wert immer top modisch angezogen zu sein. In den frühen 1980 Jahren habe ich manches Ensemble schon beim ersten Tragen wieder verkauft. Ich wurde auf Festen oder Partys von anderen Mädchen schon gefragt: „wann verkaufst  du das“ kaum hatte ich was Neues an. Bekleidung war teuer und wer selber nähen konnte war klar im Vorteil. H&M und andere Ketten gab es bei uns noch nicht.
Es ist noch nicht so viele Jahre her, fünfzehn bis zwanzig, da haben wir als Familie auch großzügig eingekauft und so mancher Fehlkauf landete ungetragen in der Altkleidersammlung. Große Ketten und Outlets machten es möglich, Bekleidung  (auch edlere Marken) war plötzlich nicht mehr teuer und es lohnte nicht selber was zu nähen. Ich habe zum Beispiel im Jahr 2000 meinen Rockabgleicher, Stoffe  und anderes Zubehör  zum Bekleidung nähen verschenkt. Ich dachte damals ernsthaft außer Quilts nicht mehr viel zu nähen. Rockabgleicher habe ich mir mittlerweile einen neuen gekauft.

Bei Kaufkleidung bin ich jetzt schon einige Jahre auf einem guten Weg. Ich kaufe bewusst, sehr viel weniger und achte auf „Fair“ und „Öko“. Wie steht es aber mit den selbstgenähten Sachen?

Ist der hemmungslose Kaufrausch bei Materialien nicht das gleiche wie Kaufrausch bei Bekleidung nur ein bisserl verlagert. Vielleicht mühsamer weil man ja selber noch was  zu machen hat. Aber Endergebnis bleibt doch das selbe – der Kasten platzt aus allen Nähten und ich bin mir nicht sicher ob nicht das eine oder andere Teil vor der Zeit in der Altkleidersammlung landet.  Ökologischer und fair wäre selber nähen sowieso nur würde man konsequent auch entsprechende Stoffe verwenden. Nachhaltig wäre, würde man die genähten Sachen ewig tragen oder weitergeben.

Beim schmökern in den verschiedenen Blogs bin ich immer wieder überrascht  wie viel manche Damen nähen oder stricken. Ich gehe ja davon aus, dass alle neben den selbst genähten Sachen auch noch gekauft Bekleidung haben. Wann, um Gotteswillen, ziehen die das alles an?

Ich, zum Beispiel würde auch so gerne eine Strickweste nach der anderen stricken.  Schon deswegen  weil es so viele herrliche Modelle gibt die ich noch nicht gestrickt habe. Oder einfach weil ich gerne stricke. Und das Material erst, Wolle  und Garne, ach alles so schön. Aber ich habe eigentlich genug Westen im Schrank, selbst gestrickte und gekaufte. Ich brauche eigentlich keine Weste mehr. Genau so geht es mir beim Nähen. Manchmal habe ich Glück und ich brauche wirklich ein T-Shirt oder einen Rock oder ein anderes Teil. Meistens würde ich einfach nur gerne einen Schnitt ausprobieren oder einen Stoff kaufen und verarbeiten. Im Internet ist auch immer verlockendes zu sehen, der „must have“ Schnitt oder Stoff oder sonst was verlockendes. Ich muss manchmal wirklich meine ganze Selbstbeherrschung aufbieten um nicht gleich einzukaufen.

Überhaupt liebe ich es Material ein zu kaufen, schon Buntstifte können mich entzücken aber erst Stoff oder Wolle in schönen Farben.
Der Fundus quillt also über daher stand das Jahr 2015 unter dem Motto „verbrauchen was schon vorhanden ist“ Bei den Quilts ist das schon länger gut gelungen weil ich hierbei wirklich nur mehr Recycle Material verwende und auch auf einen großen Fundus an Quiltstoffen „aus der Zeit als ich noch alle Stoffe kaufte die mir gefallen haben“ zurückgreifen kann. Für Bekleidung habe ich auch 2015 Stoffe gekauft aber ich kaufe Stoffe für Bekleidung nicht auf Vorrat oder Verdacht. Hier kaufe ich nur für konkrete Projekte ein die auch zügig umgesetzt werden. Kurz um der Fundus hat sich etwas verringert aber noch nicht genug.

Für 2016 werde ich diese Linie weiter verfolgen und wirklich nur das Nähen oder Stricken was ich auch brauche und nicht nur weil ich was ausprobieren möchte oder dem  Angebot an schönem Material nicht wiederstehen kann. Soweit  mein Plan mal sehen ob ich das auch so durchhalte.

Zu diesen Überlegungen habe ich auch ein Buch gelesen welches ich nur empfehlen kann.„Dreimal anziehen, weg damit“ Heike Holdinghausen
Natürlich geht es in diesem Buch hauptsächlich um Kaufkleidung aber Stoffe und Wolle die wir selber vernähen wird ja auch irgendwo, meist unter schlechten Bedingungen für Umwelt und Arbeiter, hergestellt. Ich wusste nicht das auch Kaschmirwolle problematisch ist, Kaschmir wer hätte das gedacht? Das Jeans nicht gerade ein gutes Image haben war mir schon bewusst aber so geballte Informationen rüttelt doch noch ein wenig mehr auf. Ich liebe Jeans und habe bisher Wert darauf gelegt „echte Jeans“ zu tragen. Vielleicht sollte ich hier meinen Meinung überdenken und ans selber nähen denken.

Also, zurück zur eingangs gestellten Frage: Ist selber nähen zwangsläufig nachhaltig – öko – fair? Ich denke: Nein ist es nicht wenn nicht auch hier vieles beachtet wird.
Was meint Ihr? Denkt außer mir sonst noch wer darüber nach?
Wenn ja, mit welchem Ergebnis?


Viel Text – keine Bilder – aber das Thema wollte ich schon lange mal ansprechen.

Kommentare:

  1. Ich finde du hast völlig recht, man sollte sich nicht vormachen, Nähen wäre zwangsläufig besser als Bekleidungskonsum. Für viele Selbermacherinnen geht es auch nicht so sehr um das fertige Produkt, das Nähen, das Ausprobieren neuer Schnitte und Techniken ist dann ein Hobby wie andere auch: wenn man Ölbilder malt oder etwas Ähnliches, verbraucht man auch Material und kauft vielleicht mehr davon, als man braucht. Das finde ich auch OK - man soll sich nicht alles verbieten, was einem Spaß macht. Wenn man aber ein ungutes Gefühl dabei hat (so wie es dir geht, und mir auch), dann ist es ja sinnvoll, ein bißchen auf Materialkäufe zu verzichten und das zu verbrauchen, was man hat. Ich kaufe praktisch keine Kleidung (nur Strumpfhosen, Socken, Unterhosen, im vorletzten Winter habe ich mal 2 Tshirts zum Unterziehen gekauft, wenn ich mich richtig erinnere). Deshalb nähe sich schon ziemlich nach meinem Bedarf, und ich nähe eher langsam und gebe mir Mühe - das ist so genau richtig für mich. Hätte auch gar keinen Platz, unendlich viel Stoff zu lagern, auch wenn ich schon viel sehe, das mir gefällt.

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  2. Vielen Dank für Dein Feedback. Ich freue mich wirklich, dass auch Du darüber nachdenkst der Gedanke ist also nicht ganz abwegig in der Nähnerdwelt. Ich denke immer noch über diese Thema nach und bin jetzt schon bei "kleine Proben" nähen das soll heisen wenn ich eine Technik nur ausprobieren will werde ich in Zukunft eher eine kleine Probe nähen als gleich ein ganzes Stück. Hast Du das nicht auch so gemacht, habe ich das auf Deinem Blog gesehen? Hier braucht auch niemand mehr eiene Quilt :) oder ein Täschchen usw.

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  3. Dieselben Gedanken treiben mich auch seit einigen Monaten um. Nach viel Lesen bei anderen habe ich Anfang des Jahres auch begonnen mich mit Nachhaltigkeit in meinem Kleiderkasten auseinanderzusetzen und die Serie "Garderoben-Remake" gestartet. Im Teil 1 der Serie (die langsam, langsam vorwärts kommt) stelle ich mir genau die Frage: Wenn manche jede Woche ein neues Teilchen nähen - wann ziehen die das alles an? Es gibt aus meiner Sicht ein paar Vorzeige-Probenäherinnen: Die bekommen die Stoffe gesponsert und zeigen das Stück, als Werbung für den gesponserten Stoff und/ oder einen neuen Schnitt. Aber du hast völlig, völlig Recht: Das selber Nähen ist nicht unbedingt nachhaltiger, wenn es übergangslos vom Billig-Klamotten-Shoppen zum Billig-Stoffe-Shoppen geht. Liebe Grüße, Gabi

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